Technik: FAKE BOXEN – wir decken auf! Die ganze Wahrheit…

Give the people what they want… so könnte man das Thema „Fake Boxen“ auch umschreiben, denn die Besucher eines Konzerts oder eines Festivals wollen ganze Boxen-Wände sehen, weil das ja immerhin einen Hauch von Superstartum und Professionalität fälschlich versprüht. Die Wahrheit ist aber, dass aufgrund der heutigen Technik solche Wände aus Marshall-Boxen gar nicht mehr notwendig sind, den Job des „sich gut Hörens auf der Bühne“ erledigen Sidefills (die Boxen links und rechts von der Bühne und zu den Musikern gerichtet) und Wedges (schräge Monitore am Boden zu Füssen der Musiker) ja wunderbar und meistens sind Wedges heute gar nicht mehr zu sehen, weil ja ein Grossteil der Musiker bereits mit wireless In-Ear-Monitoring auf der Bühne abrocken. Aber, wie gesagt, das  Publikum will die grosse Show mit Rauch und Blitz, Laser, LED-Screens und bunten Lights usw., – und da gehören auch Boxen en masse dazu. Einige Bands leisten sich noch echte Boxen, die aber dann meistens nicht angeschlossen sind, andere wiederum nehmen aus Transport- und Gewichtsgründen nur Attrappen mit, die zudem auch billiger sind… „Fake Speakers“ nennt man das dann. Einige Beispiele gefällig?

Hier ein Foto von einer Kiss-Show, vom hinteren Bühnenrand fotografiert: schön zu erkennen sind die leeren Boxengehäuse und davor Gitarrist Paul Stanley:

fakebox2

Und hier ein Bild, so wie es das Publikum wahrnimmt: eine Open Air Stage voll mit „Geböxe“, eine „Fake Speaker Wall“ sozusagen. Wenn man genauer hinschaut, sieht man, wie „dünn“ die Wand ist und wenn man noch genauer schaut, sieht man links und rechts vier einzelne Marshall-Boxen ohne Tops, die auch wirklich echt sind und auch Verwendung als Backline finden. Sieht doch cool aus, oder? Guckst du:

marshall_stacks2

Dann das selbe Festival, die selbe „Fake Speaker Wall“ von der anderen Seite fotografiert und nun sieht man, dass das Ganze eine Attrappe ist und jetzt sieht man auch, was zuvor mit „dünn“ gemeint war, – zudem sieht man jetzt die Engl-Heads (Topteile), an denen die vier echten Boxen angeschlossen sind… :

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Zuguterletzt die Fake-Boxen für Angus Young von AC/DC, einmal von hinten und einmal von vorne fotografiert. Der Platz der frei ist, also jeweils ein Slot pro Vierer-Wand, ist genau der Platz in dem auf der Bühne dann die echte (vierte) Box dazugeschoben wird, die dann auch angeschlossen wird und Verwendung findet:

fakeboxen-acdc

So, wenn ihr das nächste Mal ein Konzert besucht oder ein Festival, dann schaut mal etwas genauer hin und ihr werdet den „optischen Betrug“ mühelos entdecken können! Aber das Publikum ist zum Teil – wie gesagt – ja aber auch selber schuld, denn sie wollen ja die grosse Show mit coolen Boxen-Wänden… Give the people what they want!

Aufgedeckt von Major Tom


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