Review: Fervency – Lowering Entropy (Alternative Rock / Alternative Pop)

Auf der Facebookseite des Duos Thomas Blæsbjerg und Calvin Batley –  kurz Fervency, werden zum einen u.a. Kraftwerk, Depeche Mode und Konsorten als musikalische Einflüsse genannt, aber auch Death, Mayhem oder Faith No More. komische Mischung? Mag in der ersten Sekunde so klingen, wer aber Fervency’s aktuellem Langdreher Lowering Entropy lauscht, der wird merken, dass diese Beschreibung alles andere als an den Haaren herbeigezogen ist, denn das 2010 in Copenhagen gegründete Alternative Rock & Pop Duo, liebt es, ähnlich wie genannte Elektropioniere, ihre Songs aufwändig und spannend zu verpacken. 

Der Anfang vom Ende ist aus musikalischer Sicht schon der Opener von Lowering Entropy nicht. Mit pulsierenden Bässen und daran angelehntem Taktspiel des Schlagzeugs, baut sich langsam auf fast schon progressive Manier ein verträumtes Arrangement auf. Die Psychodelic-Gitarre und der schön düstere Gesang mit dem progressiven Arrangement und vereint im Alternative-Pop-Rock Sound, geben dem ganzen spätestens ab dem Refrain eine gewisse Brise Depeche Mode. Im Refrain könnte man wirklich meinen, es handele sich hierbei um einen unveröffentlichen Dave Gahan song. Düstere Keyboards, psychodelische, Gitarren, geben dem Song mit dem Tenor eine gewisse Gothic Athmosspähre. Einfach so zum Nebenbei hören, ist Fervency nichts, man kann dies schon tun, denn bocken tut diese Combo auf alle Fälle, aber wer fühlen will, was diese Band und ihre Songdesigns ausmacht, der sollte sich dieses Album anhören. Vor allem der stürmische Wechsel von dem ruhigeren Part in Rock-Gefilde auf Lowering Entropy, lässt nur den Gedanken, dass dies hier gut Anfängt aufkeimen. Und ja das tut es wahrlich. 

Und wer jetzt glaubt, dass es sich bei Fervency und ihrem Lowering Entropy um einen Luftballon handelt, bei dem schon nach einem starken, gut durchdachten Opener immer schneller von Titel zu Titel die Luft rausgeht, den muss ich enttäuschen, denn auch mit dem zweiten Track Passion In Fidelity, bekommt der Alternative Fan den feinsten Ohrenschmaus serviert, liebevoll aufgepeppt mit einer Schleife mit ordentlichen Synthesizer Effekten, lässt diese Combo niemanden von ihrem Sound ablenken. Zugegeben, zunächst ist der Song sehr langsam, aber das hat beim hören des liebevoll aufgebauten Instrumentals auch seinen Sinn. Passion In Fiedelity, ist ein Titel, in den man sich hineinfühlen muss und dabei doch ein wenig an die Bands der 60er und 70er erinnert. Fervency fahren voll auf der Retrowelle und das ist ein Rezept, welches vollkommen aufgeht. Wenn ihr viel grübelt, ist dieser Song nicht unbedingt was für euch, da es passieren könnte, dass ihr euch in einem Sumpf aus Gedanken verliert. Wenn ich das mal kurz bildlich übertragen darf: stellt euch vor ihr sitzt an einem Regentag an einem Fenster und grübelt über Gott und die Welt nach. Genau so eine Nummer ist das. Ein wirkliches akustisches Kunstwerk eben. Verträumter hoher Gesang, groovige Bässe, tolle Orgelelemente, machen diesen Song unsterblich. 

Das dritte Stück Lenghtened Spoons, eröffnet mit eine Arpeggio aus sinistren Klavierspiel, der tragendes Element darstellt. Diese Sinistre Stimmung spiegelt sich auch in der grungeigen Gitarre wieder, die mit ordentlich Tremolo-Echo unterlegt wurde. Druckvoll bis Fett bläst der Bass das schaurig schöne Arrangement auf. Als ob das nicht schon genug der schaurig-schönen Stimmung wäre, bauen Fervency hier auch noch ordentlich spooky Delayeffekte an manchen Ecken und Enden ein. Wirkt mit seinem dark-flair doch ein wenig bedrückend, aber das ist ja auch das Tolle an diesem klasse Track, Bei dem durch den wunderschönen Gesang und die Lyrics die Krone aufgesetzt wird. Der Refrain ist energisch, wunderschön. Manchmal wirkt es wirklich so, als hätten wir mit Fervency eine Gothic Band am start. Hier wäre ganz klar einer meiner Favoriten gefunden. Toll!

Wo wir schon von düsteren Klängen reden, das nächste Stück Imperfect Circles war beim hören eine Überraschung, denn sind zu beginn im Intro des Titels Kirchenorgeln zu hören, die auch bestehendes Element des Songs bleiben, hören wir hier eine Sängerin, die sich mit ihrem Gesang wunderbar in die Musik einbettet. Die Drums sind hier wieder nach mächtiger progressiver Art gemacht und haben einen gewissen Groove-Rock Anstrich. Auch wenn die Klangfarben hier wieder eher sinistre Züge annehmen, so gelingt Fervency hier (Vielleicht auch mitunder deswegen) abermals ein Geniestreich. Zusammen mit der zeitweiße Begleitung der männlichen Stimme, macht dieser Song schon im Gesang eine glänzende Figur. Chorsynthesizer, Bombastische Drums, aufwändige Arrangements, machen auch diesen TItel zu einem Akustikspektakel der Extravagance. Der Titel ist sehr abwechslungsreich und ohnehin ziehen Fervency ihre oftmals längeren Songs nicht unnötig in die Länge, denn auch hier ist aufhorchen ganz groß geschrieben und von Langeweile oder Füllmaterial ist meilenweit keine Spur. Die Zutaten machen ein gutes Rezept aus und die wurden hier sehr sorgfältig gewählt. Theatralisch, schockierend geht es mit dem Wachrüttelnden Phi weiter. Wer jetzt noch nicht wach wurde, wird es spätestens ab hier. PONG PONG PONG. Pluckende Synthesizer, reißen selbst das größte Faultier aus dem Schlaf. Fervency, liefern hier erstmals einen kürzeren Titel von etwas über 3 Minuten ab. Theatralisch ist bei diesem Soundensemble das am meisten zutreffende Stichwort. Hektisch, Apathisch wirkt diese Nummer, bestehend aus Schlagelementen, verstörenden Leadsynthesizern und panischen klangelementen, könnte dieser Titel mit ein wenig Fantasie und eingedeutscht auch schlicht und ergreifend Auf der Jagd, oder auf der Flucht heißen denn in der Tat, so klingt er. Die Tatsache, das Phi ein instrumentaler Titel ist und somit viel Spielraum für Fantasien bietet, verstärkt diesen Eindruck auch noch. BRAVO!

Nach bekanntem Rezept, machen Fervency bei Titel Nummer 8 The Biology of Belief. Ein schöner Song, bei dem der Fokus diesmal auf dem Gesang liegt, der ruhige Bass nur „antreibt“, dafür wird der Hörer aber mit schönen Piano Melodien und orchestralen Elementen verwöhnt. Ich gebe zu, erste, leichte Ermüdungserscheinungen zeigen sich bei diesem Song. Aber durch den schönen Refrain, der melodisch betrachtet musikalische Schokolade ist, macht diese marginale und kaum-der-rede-wert-seiende Schwäche wieder mehr als wett. 

Kommen wir nun zum Titelstück Lowering Entropy, das sich langsam aufbaut. Ein bedrohliches Donnergrollen aus einem Moog-Synthesizer mit diversen Effekten versehen, erinnern im Intro an frühe Kraftwerk-Kompositionen. Ehe Fervency wieder zur gewohnten Rezeptur zurückgreifen und die schmeckt. Pulsierende Bässe, energische Streicher und diesmal ein heller Gesang, bilden das Gerüst dieses akustischen Bauwerkes. Gigantisch ist dieses Klangbild und vor allem eins: Gut durchdacht. Dieser Song kommt fast gänzlich ohne Gitarren aus, die zwar nicht stören würde, im Gegenteil, aber Lowering Entropy, dieser träumerische Titeltrack, kann sich auch gut ohne das Saiteninstrument behaupten, zumindest fast, denn im hinteren Virtel, ist sie seicht, wenn auch verzerrt im Leadpart zuhören. Fervency, verarbeiten hier so einiges an musikalischer Passion zu einem akustischen Kunstwerk. Zum Abschluss gibt es mit The Soulmate Puzzle, wieder düstere Klangfarben mit psychotischen, verwaschenen Gitarren. Ein letzter Song, der nochmal in Perfektion aufzeigt, das hier Könner am Werke waren, die ein Album produziert haben, dass mit seinen teils energiegeladenen Rock-Tracks, spielerischer Elektronik und talentbehaftetem Abwechslungsreichtum, auf ganzer Linie überzeugt. 

Fazit 9,5 von 10 : Prinzipiell gesehen, habe ich mein Urteil oben schon vorweg genommen. Eins sei euch hier an dieser Stelle versichert und so extrem Lobe ich keine Band: Wenn ihr spaß an aufwändiger, leicht progressiver, aber auch etwas Goth-lastigeren Mucke habt und dazu auch noch auf Alternative abfährt, so befehle ich euch jetzt. Besorgt euch Lowering Etropy von Fervency. Ein Album voller akustischer Höhepunkte, dramatik, Leidenschaft und musikalischer Leidenschaft – Ab 01.09.2016 – KAUFEN!

Internet:

Fervency @ Facebook

 

 


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