Review: SKYSCRAPER – „Elevation“ (Melodic Hard-Rock)

Melodischen Hard-Rock (zumindest weitgehend) bieten Skyscraper aus England. Mit ihrem Debütalbum „Elevation“ legen die Musiker Lee Small – Vocals, Tor Talle – Guitars und Dave Boyce – Bass, ein Hard-Rock Album von überzeugender Qualität ab. Neben den eben genannten drei Hauptmusikanten, sind auch die Gastmusiker Imre Daun – Drums und Bruce Gaitsch – Acoustic Guitars (letzteres hat sich scheinbar mal zu Madonna verirrt) mit von der Partie. Das Cover wirkt wie aus einem klischeebehafteten 80er Jahre Sci-Fi-Film, zumindest was das Logo und die Aufmachung angeht. Nein, das soll nicht heissen, dass es schlecht ist, im Gegenteil. Wenden wir uns hier aber dem Wesentlichen zu, der Musik. 

skyscraperEinen starken Eindruck erwecken Skyscraper gleich zu Beginn mit dem Song „Sail Away“. Ich muss zugeben, ein bisschen schizo kommt das Gespann doch daher. Sind die ersten Sekunden Effekte, die mit Schrecken von einem Gewitter aus Drums und Gitarren unterbrochen wird, ist die Band wenige Sekunden später wieder ganz leise. Im Refrain gewinnen sie an Fahrt, aber irgendwie will der Einstieg doch nicht so ganz überzeugen. Sehen wir mal, was „Monday Morning“ für uns parat hält. Und ich muss sagen, da ist er, der Aha-Effekt. Hier geht die Post ab. Eins ist sicher, die Band macht Stimmung und ist eher was für fröhliche Augenblicke. Hier wurde ein Ohrwurm geschaffen. Melodien beherrschen Skyscraper freilich, ebenso macht auch der Sänger einen super Job und die Gitarrensolos sind auch nicht ausser Acht zu lassen. Nicht ganz so zügig wie bisher, geht es mit „Fay Way“ weiter. Fast schon psychedelische Elemente bilden eine kurze Einleitung. Doch diese Einleitung macht den Weg frei für eine ruhige Einleitung, die durch treibende Drums kurzerhand begleitet wird. Im Grunde genommen ist dies ein Song, der sich erst richtig aufbaut und das geht ab. Toll. „Across The Barricades“ fällt zunächst durch seine Keyboard-Parts auf, die vom Gesang, Bass und Gitarren getoppt werden. Die Nummer geht in Mark und Bein und weiss zu gefallen. Bei „Everybody Cries Sometimes“ drücken Skyscraper mächtig auf die Tränendrüse. Ich sage ganz ehrlich, das hier ist eine Pop-Nummer, die aber aufgrund der Tatsache, dass sie handgemacht ist, doch einen gewissen Reiz hat. Ich nehme es mir auch heraus zu behaupten, dass hinter dieser Nummer ein Hit steckt. Natürlich verzichtet er nicht völlig auf Stromgitarren und so wurde eine mit Herz und Seele bestückte Nummer geschaffen, die beim Hörer sicher im Gedächtnis bleibt. „Walk Through Fire“ lädt wieder auf die Tanzflächen des Hard-Rocks ein und auch hier bieten Skyscraper  eine mächtige Rocknummer, die ihrer Konkurrenz in nichts nachsteht. Hymnische Refrains treffen auf eine aussagekräftige musikalische Umsetzung. „Runaway Hearts“ ist jedoch mal wieder richtiger Pop, allerhöchstens Powerpop und von Hard-Rock ist kaum was zu vernehmen. Nicht falsch verstehen: Der Song ist gut, aber wer mit Skyscraper hier eine Band erwartet, die ausschließlich Hard-Rock verkörpert, der wird bitterböse enttäuscht. Manche Songs wirken geradezu wie fürs kommerzielle Radio produziert. Dafür rockt „Skyscrapers“ wieder drauf los, – zumindest nach einer kurzen, seichten Passage. Auch hier ist der Refrain wieder das Hauptaugenmerk – ähm – ich meine das Hauptohrenmerk. Verträumter Funk trifft auf seichtes Plätschern mit dem wunderschönen Song „Through The Eyes Of Liberty“. Liebe Band Skyscraper, das was ihr hier macht, ist ja wirklich schön und auch nicht von schlechten Eltern, aber seid ihr euch sicher, dass Melodic Hard Rock euer Genre ist? Ich höre hier zwar Hard Rock, aber auch viel – nennen wir es mal – Gitarrenpop. „The Sky Is Turning Blue“ ist ein guter und aussagekräftiger, aber seichter Rock-Song. Geheimnisvolle Synthesizer leiten „Playing With Fire“ ein, was jedoch nur für Sekunden so ist und der Song entfaltet kurz darauf seine volle Energie. Hier wird Material vom Feinsten geboten. Skyscraper verstehen es, hymnische Songs, die einfach hitverdächtig sind, zu schreiben. Bassist, Drummer und Sänger sind einfach ein super eingespieltes Team und über die herausragende Leistung der Gitarre brauchen wir mal gar nicht zu diskutieren, diese ist einfach wunderbar. Verträumt eröffnen Skyscraper die ausdrucksstarke Nummer „Sweet Little Sister“, das hier eingesetzte Sounddesign und die einzelnen Elemente machen diesen Song einmalig. Natürlich fehlt der standfeste Rock nicht und hier geht es wieder zur Sache. Ruhiges Sounddesign im Wechsel mit starkem Rock, so könnte man diesen Titel am ehesten beschreiben. Der Bonustrack „Where Love Is Waiting“ bittet zur Tanzfläche und tatsächlich ist das hier ein schöner Rocksong, der durch seine tadellose Musik und natürlich die Leistung des Sängers besticht. Bleibt zuletzt noch die Akustikversion zu „Runaway Hearts“, die durch ihr Klangkleid nochmal einen draufsetzt. Super! Und so schließt eine durchaus zufriedenstellende Platte 

Fazit: 8 von 10 Punkten. Wer mit Skyscraper’s „Elevation“ eine Heavy-Produktion erwartet, der wird schwer enttäuscht sein. Nichtsdestotrotz beweisen die Musiker, dass es nicht immer heavy sein muss! Die Band zeichnet sich durch eine überwältigende Energie und super tolle Songs aus, die nicht ungehört bleiben sollten. Hier waren Künstler am Werk und das hört man von der ersten bis zur letzten Sekunde. Leute die es etwas seichter, radiokompatibel mögen, denen möchte ich dieses Album gut und gerne ans Herz legen.

Review von Philipp – Philipp@she-wolf.eu


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