Review: HELFIR – The Human Defeat (Gothic Metal)

Wiedersehen (oder in diesem Falle Wiederhören) macht ja bekanntlich Freude und so verhält es sich auch mit dem Gothic Metal Projekt HELFIR von Luca Mazzotta. Vor fast exakt zwei Jahren, durften wir dem vorherigen Gothic Banger Still Bledding des Herren Mazzotta lauschen und waren von HELFIR, bei dem Luca Mazzotta, sämtliche Instrumente selbst spielt und obendrauf noch selbst singt bereits hin und Weg. Um so erfreulicher also die Nachricht, das mit The Human Defeat jetzt sein zweites Album in den Startlöchern steht. Fans müssen sich jedoch noch bis zum 30. Juni gedulden. Wir haben das über My Kingdom Music zu erscheinende Zweitwerk von HELFIR aber für euch schon getestet. 

Und das hat es In Sich! Auf 10 Tracks, stellt Solist Mazzotta vor allem eines unter Beweis: Er kann es gar noch besser! Wer mit HELFIR Vertraut ist, der wird die Fusion aus elektronischen Elementen und fettem Metal, akustischen Drums, energischen Bässen und Gitarren – aber auch ruhiger Melancholie zu schätzen wissen. Schon der Opener Time In Our Minds, ist ein Zeugnis von HELFIR’s Universal-Konzept. Was hier fabriziert wird, ist gestandener Gothic Metal. Synthesizer und Keyboards sind nur sehr sporadisch eingebunden und sowohl Rhythmus als auch Lead-Gitarre sind einwandfrei und sollten nicht zuletzt von dem geneigten Gothic Hörer geschätzt werden. Auch wieder zurück ist eines: Diese unglaublich teuflische, dämonische Stimme im wechsel zu Luca’s klargesang. Nicht zu aufgepumpt, aber auch nicht zu Simpel. Gar nicht seinem Titel Gerecht, wird das Intro von Light das klingt wie die Klangkulisse aus einem Horrorfilm. Jedoch setzt nach einem kurzen Augenblick die Akustikgitarre ein und mit Flüstergesang, düsteren Keyboardspheres und sparsam, aber effektiv eingesetzten Effekten, wird auch hier ein Song präsentiert, der im Refrain erst sein volles Potenzial entfaltet und sich wohl als ziemlich ruhige Nummer herausstellt, die beim Zuhören seine scheinbar gewünschte Wirkung voll und ganz trifft. Gothic Metal muss nicht immer extrem Heavy sein, ruhige Passagen sind da durchaus willkommen, vor allem wenn sie solch einen Einfluss auf den Hörer haben. Elektronische Drumbeats, akustische Gitarren, bitter-süße Keyboardflächen bilden zusammen mit Luca Mazotta’s klargesang eine schöne Einleitung zur dritten Nummer Tide, die im Refrain zu einem genialen Gothic Metal-Schlachtfeld mutiert, bei dem der Sänger kraftvoll agiert und vor allem die Leadgitarre ihren großen Moment hat.  Tide ist eher ein langsamer Rocker, der eine gewisse Note des Alternative Rock & Heavy Metal versprüht. Die Gitarrensolos sind der Wahn! Hier dreht man gerne lauter.

Das elektronisch angereicherte Protect Me zeigt wieder einmal die Vielseitigkeit des Projektes HELFIR und was für ein verdammter Kreativkopf Luca Mazzotta ist. Einfach nur stumpf drauf losrocken, liegt nicht in der Natur des Musikers. Er macht sich wirklich Gedanken um seine Songs, wobei dieser hier teilweise ein wenig an Placebo erinnern mag. Der Rezensent weiß nicht wie ihr das sieht, aber an Placebo erinnert mich diese doch im großen und ganzen ruhige, fast schon träumerische Klangwelt. Die Message des Textes ist da noch eine Nummer krasser und passt einfach so wunderbar zur Instrumentalisierung. HELFIR versteht es, Emotionen perfekt auszudrücken und stellt unter Beweis, dass es nicht immer nur Hart, Rau und schnell sein muss, um eine packende Stimmung zu kreieren. 

Chant D’Automne ist eine düstere Klangmelange aus tieftönigen Streichern, schwermütigen akustikgitarren, Luca Mazzotta’s weicher klargesang Stimme. Auf knapp drei Minuten, beweist Mazzotta, das er nicht nur ein durchaus ambitionierter Gitarrist ist, sondern das er noch dazu ein sehr guter Sänger ist. Ich meine, das dieses Album etwas ruhiger ausgefallen ist, muss aber dazu betonen, dass es nicht ständig immer Krach sein muss und so sind derartige, schöne und liebevolle Titel auch mal eine schöne Abwechslung, die man immer wieder gerne hört. 

Bei Mechanical God, geht es im Gegenstück dann wieder mächtig zur Sache: elektronische Drumbeats, düstere Dark Electro Synths und ruhiger Gesang, verstummen im Refrain, wenn Growlgesang mit beinharten Industrial Metalgitarren den Song zusammenfügen. HELFIR präsentiert hier musikalisch seine Bandbreite und auch wenn dieser Song der mit Abstand simpelste ist, wird er nicht unbedingt langweilig. Bei Climax 2.0 präsentiert HELFIR jedoch wieder seine etwas ruhigere Seite und liefert ein Musikstück ab, dass zum einen beruhigend wirkt und zum anderen aber den Hörer gespannt an den Boxen kleben lässt. Ich muss hierbei jedoch zugeben, dass der Anfang des Titels einem schon dazu verführt, die Skip Taste zu drücken, doch übersteht man die ersten Augenblicke, so wird man es nicht bereuen, diese Option außen vor gelassen zu haben. beinharte Metalfans, kommen aber mit Golden Tounge wieder voll und ganz auf ihre Kosten. Growlgesang, düstere Gothic Gitarren, Doublebass Drums, die nach einer Steigerung ihre Zerstörungswut offenbaren, inklusive. Ein ähnliches Konzept verfolgt das tadellose Meisterstück The Last Sun, das bereits bekannte Elemente mit einbezieht und durch ein exquisites Sounddesign punktet. Wer sich auf den Song einlässt, wird am Ende durch ein weiteres Solo aus der Leadgitarre des Luca Mazzotta‘ belohnt. 

Als Bonustrack gibt es zum Abschluss dann nochmal die Instrumentalversion zu dem Song  Chant D’Automne 

Fazit 9,5 von 10: Die zwei Jahre Wartezeit auf The Human Defeat haben sich defintiv gelohnt. HELFIR wie wir ihn (oder es?) kennen! Expermentierfreudigkeit, trifft auf geilen Gothic Metal. Rein für Freunde harter Klänge ist es nicht, schließt diese jedoch natürlich nicht aus, denn Stoff dazu gibt es massig. Auf Neun Titeln wird die musikalische Leidenschaft des Mastermindes Luca Mazzotta Glasklar oder Pechschwarz? dokumentiert. 

Review von Philipp – Philipp@she-wolf.eu

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