Interview: Incite – She Wolf im Gespräch mit Frontmann Ritchie Cavalera

Mit ihrem nunmehr dritten Album Oppression, konnte der US-Amerikanische Thrash Metal ACT Incite die Metalfangemeinde vollstens überzeugen. Kein Wunder, sind Songs wie der Opener Never Surrender, der Titeltrack Oppression oder No Remorse brachiale Metalprügler, die Headbanger Nacken schonungslos überstrapazieren wollen. Wer solch ein kompromissloses Metalepos erschafft, dem wollen wir auf den Zahn fühlen und nutzten die Gelegenheit, um mit Frontmann Richie Cavalera zu unterhalten

Philipp: Hi Richie, wie geht es dir? Danke das du dir die Zeit für ein Interview mit She Wolf genommen hast.

Richie: Kein Problem!, Danke dass ihr daran interesse habt, diese Band zu unterstützen.

Philipp: Am Anfang unserer kleinen Fragerunde, würde ich gerne ein wenig die Geschichte von Incite zur Sprache bringen. Du hast Incite ja 2004 gegründet möchtest du uns ein bisschen aus den vergangenen 13 Jahren mit Incite erzählen?

Richie: Nun, als ich diese Band gegründet habe, war ich sehr jung und naiv, so wie die meisten Kids in diesem Alter. Wir hatten überhaupt keinen Plan, was wir da verdammt nochmal veranstalten. Wenn du auf Tour bist und älter wirst, lernst du mehr über dich, deine Musik und auch dein Image, du bekommst ein Gespür dafür. Also wir haben uns definitiv weiterentwickelt oder verändert während der letzten Jahre.

Philipp: Aktuell seid ihr durch Europa getourt und hattet dort einige Stationen auch in Deutschland. Um nur eine Handvoll zu nennen: Freiburg, Erfurt, Kassel oder am aktuellsten auch in Hamburg. Wie sind deine Eindrücke von Deutschland und vor allen Dingen, von den Konzerten. Kannst du dich an ein bestimmtes Ereignis oder eine Erfahrung erinnern, die du mit unseren Lesern teilen möchtest?

Richie: Ja! Die gesamte Tour war der Hammer! Wir lieben es in Europa zu spielen, also auch in Deutschland, das immer ein Land des Metal war. Diese Städte zu rocken, war der Wahnsinn. Das Publikum weiß wie man rockt und abgeht. München stach dabei am meisten heraus. Das Publikum stand unter Strom und rockte zweifelsfrei das Haus Alles war wie ein gigantisches Feuer. Es war dieses unglaubliche Gefühl, wenn du die Bühne betrittst, alles stimmt und das Publikum deine Show genießt. Es war wahrlich eine „Metal Nacht“ – We kicked some asses that’s for sure.

Philipp: Würdet ihr gerne wieder durch Österreich, die Schweiz oder Deutschland touren?

Richie: Oh Ja! Eine unserer besten Shows, haben wir in Österreich gespielt, das Publikum geht ab wie Schmitt’s Katze. Die Schweiz ist auch klasse, alleine schon weil wir dort einen haufen Freunde haben, gerade dank der Tourneen. Es ist immerwieder geil in die Schweiz zu fahren, zu spielen und „smoke some good greens“ (Wie Richie es nennt) – was die Jungs immer liebten…. Also Natürlich! Wir hoffen bald mal wieder in die Schweiz zurückzukehren.

Philipp: Die Tour hat euch ja nicht nur durch Österreich, Deutschland oder die Schweiz geführt, sondern auch nach Holland, Frankreich , England oder die Tschechische Republik und viele mehr. Wo habt ihr am liebsten gerockt und wie empfindet ihr, oder du Richie, die Kultur des jeweiligen Landes? Gibt es etwas was du besonders magst, oder etwas was du überhaupt nicht magst?

Ritchie: Hm ich würde sagen für unser Empfinden, was unsere Shows angeht, stachen Tschechien und Frankreich wirklich hervor und blieben uns im Gedächtnis hängen. Das Publikum formiert sich dort zu enorm großen Pit’s (Moshpit) und es feuert uns jedesmal an, noch Härter und brachialer zu spielen. Die kommen zu unseren Shows und wir verkaufen jede Nacht über hundert CD’s. Das Publikum gibt uns immenses Feedback und sie scheinen Incite zu lieben.

Was das Kulturelle angeht: Ich liebe Holland! Es ist ein schönes Land, das Essen dort ist der Hammer und die Menschen dort einfach Klasse. Ich kann nicht eine Sache an Europa kritisieren. Europa Rockt!

 

Philipp: Die aktuellste Tour habt ihr zusammen mit Ill Nino und Gorogoroth  gerockt. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen und wie reagierten die Fans?

Ritchie: Wir wollten durch Europa Touren und haben uns natürlich umgeschaut. Gorgoroth hatte dort eine hammer Tour mit einem Killer Line-Up an Supportbands, also haben wir uns gedacht, dass dies eine gute Entscheidung wäre. Besonders wenn du vor einem Publikum stehst, das mehr dem Black Metal angetan ist und das nie zuvor von uns gehört hat. Also haben wir uns von Tag eins zum Ziel gesetzt, die beste Show abzuliefern. Wir haben einige neue Fans für uns gewinnen können und das ist der absolute Wahnsinn. Leute mit Corpsepaint und der kompletten Black Metal Aufmachung, kamen zu unserem Verkaufsstand und haben CD’s gekauft. Incite war schon immer eine Band, die außerhalb ihrer „Comfort Zone“ spielen- und ungewöhnliche Tourneen ablegen will. Prinzipiell können wir mit jeder Metalband die Stage teilen. Als sich die Tour dem Ende neigte, sind Ill Nino auf uns zugekommen und fragte ob wir nicht etwas länger in Europa bleiben und mit ihnen weitermachen möchten. Natürlich haben wir gesagt, Hell yeah. Diese Tour war mehr nach unserem Style gerichtet und wir wussten, dass sie der Burner wird. Ektomorf ist eine Wahnsinnsband und wir rauchten eine Menge Gras (Lacht). Es war eine Hammer Zeit und zwei >>Awesome Tours<< für Incite.

Philipp: Eure neuste Platte Opression, hört sich nach meinem befinden so an, als hättet ihr ständig unter Strom gestanden und hattet das Bedürfnis verdammt nochmal alles zu zerstören. Ich weiß dies mag vielleicht ein bisschen nach einem Klischee klingen es ist nur so, dass eure vorherigen Werke wie zum Beispiel Up In Hell zwar einerseits sehr brutal und energiegeladen sind, aber ist es nur meine bescheidene Sicht der Dinge oder haben sich die Emotionen auf Opression (eine affengeile Scheibe) ein wenig geändert? War dies geplant oder kam dies aus dem Bauch Raus?

Ritchie: Ja da hast du absolut recht. Zorn und Wut spielen bei der Entstehung unserer Songs eine große Rolle. Ich bin oft Wütend über verschiedene Dinge, darüber das ich meinen leiblichen Vater nicht kenne oder über den Tod mancher mir nahestehenden Personen oder Familienmitglieder. Ich möchte derartige Erfahrungen einfach in die Songtexte einfließen lassen um so den ganzen Dampf abzulassen. Gerade bei Up In Hell kam unser Bassist „EL“ auf mich zu und sagte ,,Junge, halte nichts zurück und gib alles was du hast“. Es war schon immer so, dass ich sehr fokussiert auf das war, was wir machen, besonders wollte ich niemals, das wir uns quasi selbst kopieren oder die Energie flöten geht. Als Oppression entstand wollte ich alles quasi von mir wegschleudern, aber ich denke es war mehr Erwachsen und reifer. Ich bin ein erwachsener Mann und kein trotziges wütendes Kind, ich bin ein angepisster Erwachsener mit echten Erfahrungen, die mich geprägt haben. Ich erwarte quasi schon, dass sie von Album zu Album immer wahnsinniger werden.

Philipp: Was hat dich zu den Lyrics von Opression inspiriert und was gibt dir die Inspiration Songs zu schreiben? Bitte beschreibe in deinen eigenen Worten die lyrische Thematik auf dem Album

Ritchie: Ich würde sagen mein eigenes Leben. Von dem ersten bis zu diesem Album basiert alles auf wahren Begegebenheiten und Eindrücken, die das Leben so mit sich bringt. Eher etwas mit dem sich die Menschen da draußen identifizieren können. Ich wollte nie irgendwelche Märchengeschichten oder etwas unreales in meinen Songs haben. Ich möchte, dass sie alle ein besondere Bedeutung haben und Menschen helfen. Das Sie an sich glauben sollen und aufhören auf der faulen Haut zu liegen… Oder über eigene Erfahrungen, wie die vorher angesprochene Sache mit meinem leiblichen Vater. Meine Songs spiegeln immer einen Teil meines eigenen Lebens wieder. Bei Oppression ging es darum unten gehalten zu werden, unterdrückt zu werden und um das Bedürfnis zu explodieren. Ich glaube die ganze Welt und die meisten Menschen fühlen sich so. Sie fühlen sich durch Schmerz und Hoffnungslosigkeit unten gehalten. Dieses Album ist all für diese Menschen und ich hoffe, dass es ihnen helfen wird. Ich möchte den Menschen zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Philipp: Opression und Up in Hell wurden auf Vinyl veröffentlicht. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich diese Frage jeder Band stelle: Aber sind Incite „Liebehaber des schwarzen Goldes“ oder um es anders zu fragen, Wie viele andere Künstler und Musikliebhaber. Finden Incite Vinyl-Platten besser als die CD bei der Frage des Tonträgers?

Ritchie: Ich persönlich mag jedes Musik-Format. Unser Bassist El ist da eher Old School, er wollte unsere Alben auf Vinyl aber ich schätze die Musik denn sie ist authentisch und Vinyl ist das Format, auf dem die Musik und auch der Metal geboren wurde. INCITE als Vinyl-Veröffentlichung zu sehen, ist ein Traum der Wahr wurde.

Philipp: Das Revolver Magazin zeichnete Incite’s Opression mit dem Titel „Album der Woche“ aus. Außerdem schafften einige eurer Songs es in die Top 40 der SiriusXM Metal-Charts. Ist dieser Erfolg nicht der Wahnsinn?

Ritchie: Ja das ist großartig denn wir haben sehr hart dafür gearbeitet um dahin zu kommen, wo wir jetzt sind und zu sehen, das die harte Arbeit sich auszahlt ist wirklich ein sehr befriedigendes Gefühl. Besonders konnten wir somit allen Idioten die sagten Max ist der Grund, dass sie falsch liegen. Ich weiß dass eine Menge Arschloch-Kiddies, versuchen Rufmord an Menschen wie mir zu begehen, aber ich Zeige den Menschen immer: Hey nur weil ich aus dieser Ecke komme, heißt das noch lange nicht, dass ich selbst kein guter Musiker bin und talentfrei wäre. Zu sehen, dass die Band die Früchte aus ihrer harten Arbeit erntet, ist ein wahrer Segen für uns. Es war verdammt hart aber aufgeben? Never! Das war nicht drin!

Philipp: Wer sind deine persönlichen Idole und was hat dich dazu gebracht, Incite zu gründen?

Ritchie: Ich habe Incite gegründet um den echten Old School Metal ein Stück weit zurückzubringen. Kein BS oder sonstige Tricks, einfach pure Energie, pure Emotion und puren Metal und das war immer unser Ziel und ist auch immernoch unser Ziel. Ich denke die Menschen wollen echte, handgemachte Musik und einen Künstler wieder hunderprozent ehrlich Rocken sehen. Metal wird auch nicht jünger und es ist Zeit den Weg für die Zukunft zu eben, damit diese Musik nicht aussterben wird. Meine absoluten Idole und Lieblingssänger im Metalgenre sind Phil Anselmo, Chino, Randy Blyth, Mike Meir oh und nicht zu vergessen Mike Patton. Es ist unglaublich zu sehen, wie diese Männer es verstehen das Publikum in ihren Bann ziehen und tausende von Menschen zusammenschweißen können. Es ist wunderbar das zu sehen. Und daraus schöpfe auch ich neue Kraft, jedesmal wenn ich die Bühne betrete.

Philipp: Du warst als Performer auf verschiedenen Gigs, sowie einer Tour von Max Cavalera, bekannt als Leader von Soulfly, zu Gast. Wie hat es sich angefühlt die Bühne mit ihm zu teilen und wie kam es zu dieser Collabo?

Ritchie: Es war unglaublich! Ich bin glücklich, als damals junges Kid von Max auf die Bühne gestellt zu werden. Es half mir eine Menge meine Einstellung zur Musik zu festigen. Es war etwas ganz besonderes für mich, ein Geschenk mit einer Legende wie Max die Bühne zu teilen und ich werde die Erinnerungen an diese Zeit niemals vergessen. Es war irgendwann 1992 als Max mich gebeten hat „Polizei“ zu spielen. Damals war ich ein Junger Bub’ von sieben Jahren und ab diesem Tag an war mein größter Traum, Musiker zu werden.

Philipp: Das Musikbusiness hat sich ganz schön verändert in den vergangenen 10 Jahren. Neue Möglichkeiten Musik zu konsumieren und zu genießen, sind mit dem Internet aufgekommen. Musikstreaming Dienste wie zum Beispiel über Tidal, Qobuz oder Spotify geben dem Konsumenten erstmalig die Möglichkeit Millionen von Songs und Alben zu hören und das für circa Zehn Dollar im Monat. Wie denkst du über Musikstreaming? Ein Fluch oder Segen? Wie denkst du über das Web im Allgemeinen und was bedeutet dies für die Musiker?

Ritchie: Eine Sache die mir daran unangenehm aufgefallen ist, weil diese Tatsache irgendwie weh tut ist, dass man nicht mehr zwischen einem lokalen Act und einer ausgiebig tourenden Band unterschieden kann. Natürlich brauchen alle Support, besonders die lokalen Musiker. Aber es wurde einfach zu einer schrägen Situation, dass dadurch das Angebot an zu vielen Bands besteht und der Markt quasi etwas überflutet ist. Viele Menschen entdecken eine neue Band und können sich nicht mal ihren Namen merken und sie auch nicht finden. Somit ist das Angebot an guten Bands dadurch eine ganze Menge. Aber es kann natürlich auch helfen neue, gute Bands zu finden. Was auch immer das Angebot des Musikanbieters ist die Menschen werden dadurch immer die Möglichkeit haben, dich zu finden. Du musst nur am Start sein, sonst gehst du unter. Ich denke das größte Problem ist die „“Buy On“ Strategie. Diese killt die Musik und somit die Bands wirklich. Nur Bands mit einem entsprechenden Background oder Support können die großen Tourneen spielen oder die großen Festivals. Das bedeutet leider auch, das so viele gute Bands im Untergrund verhageln genau wegen diesem Mechanismus und da gilt es nachzubessern.

Philipp: Was ist dein absolutes Lieblings-Metal-Album?

Ritchie: Ich würde sagen „“…And Justice For All“ und „Slaughter of the Soul“ das sind beides großartige Platten von großartigen Bands und diese sind meine „Always go To“ Bands.

Philipp: Und deine Lieblingsband? Was hat dich am meisten dazu bewegt Musiker zu werden?

Ich würde sagen meine Mom. Sie ist ein echter Badass und bevor sie für Max und Sepultura tätig war, hat meine Mutter Bands wie Sacred Reich oder Atrophy und so viele andere gemanaged. Als ich ein Baby war, war ich vom Metal immer umgeben und ich habe es geliebt. Es passte wie die Faust auf’s Auge. Als Max in unser Leben trat, war die Liebe zur Musik endgültig entfacht

Philipp: Was würdest du einer neuen Band sagen, die ihre Instrumente schnappen und eine Karriere als Musiker anstreben?

Ritchie: Geb niemals auf! Und hört nicht auf das zu tun, was ihr macht. Dies sind zwei Hauptpunkte, die echten Bands zum Erfolg verhelfen. Viele Bands können dem Wahnsinn zwischen Touraltag und anderen Stresssituationen nicht standhalten aber wenn du dies bewältigst, ist der Weg geebnet.

Philipp: Die Letzten Worte gehören Dir Ritchie, danke für das Interview

Ritchie: Thank you So Much, Bleibt Heavy und “Spread The Word“

Wer Incite versäumt hat und baldmöglichst  Live erleben will, der wird dazu im Dezember Gelegenheit haben, wenn Ritchie und seine Jungs zusammen mit Six Feet Under auf Europatour gehen werden.

 

Wer nun noch mehr über Incite erfahren will (und glaubt mir es lohnt sich)

der sollte am besten mal auf Facebook vorbeischauen:

https://www.facebook.com/INCITEband/

 

 

 

 

 


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